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17.07.20 10:19 Alter: 97 days

Sagenhaftes Ihlow IX

 

Für das mittelalterliche Ostfriesland ist uns nur eine einzige Wunderlegende bekannt. Sie steht in Verbindung mit dem späteren - von Ihlow abhängigen - Zisterzienserinnenkloster Meerhusen (nordöstlich von Aurich): 

Sankt Hatebrand und das Wunder im Brookmerland 

Hatebrand (+ 1198) war der Stifter und der erste Abt des Klosters Feldwerd, östlich der Stadt Appingedam in der Provinz Groningen. Im Jahre 1183 gründete er dieses Kloster, und soll danach im Groningerland, aber auch in Ostfriesland, mehrere Klöster gegründet haben - unter anderem auch das Kloster Meerhusen.
Eine mittelalterliche Handschrift beschreibt das fromme Leben und die Taten Hatebrands, der in unserer Region auch als Heiliger verehrt wurde.
In der "siebten und achten Lesung" dieser Handschrift wird das Wunder geschildert: 

"Als der Vater Abt (=Hatebrand) sich nach seiner Gewohnheit auf die Reise nach dem Kloster Meerhusen begab, begegnete ihm eine Frau, die weinend und wehklagend ihm zurief: 
"Vater Abt, Diener Gottes, habe Mitleid mit mir! Wenn Du willst, kannst Du von Gott erwirken, dass ich wieder gesund werde. Ich gehe nicht eher von Euch fort, bis Ihr für mich zu Gott betet." Sie hielt ihn kräftig fest, und gestattete ihm nicht auf seinem Pferd weiterzureiten. 
Als der rechtschaffene Mann die Standhaftigkeit dieser Frau sah, rief er zum Herrn - denn er hatte Mitleid mit ihr: 
"Herr Jesus Christus, Sohn des lebenden Gottes, der mehr auf die Herzen als auf die Taten der Menschen schaut, blicke nicht mehr auf meine Sünden, sondern auf den Glauben dieser Frau, die Glaubt, von Dir ihre Gesundheit wieder zu bekommen, damit Deine treuen Diener erkennen, das alles möglich ist für den, der an Deinen heiligen Namen glaubt - der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen"
Nachdem er inniglich zum Herrn gebeten hatte, fasste er sie am Arm - und sogleich wurde sie gesund. Sie pries Gott mit lauter Stimme. 
Der Vater Abt bestieg sein Pferd, und reiste ohne Unterlass zu seinem Kloster Meerhusen, um dort seine Visitations (Aufsichts-)pflicht zu erfüllen. 

Die Frau aber verkündete das Geschehene aber überall im Emsgau und im Brookmerland, und dankbar gegenüber Gott sagt sie: 
"Weil durch das Gebet des Abtes (Hatebrand) mein Arm geheilt wurde, preist deswegen - zusammen mit mir - Gott und seinen treuen Diener Hatebrand." Länger als drei Jahre hatte sie so starke Schmerzen in ihrem Arm, gehabt, dass sie auf keine Art und Weise ihn zum Mund führen, oder damit ihre Füße berühren konnte. 

Wegen des Wunders, das ihr geschah, kamen viele Menschen zum Abt (Hatebrand), und dankten Gott innig. Einige wollten aus seinem Mund das Wort Gottes hören, andere wollten den heiligen Mann sehen. Wieder andere wollten ihre Sünden bekennen und Buße tun, andere erfragten einen heilsamen Rat für ihre privaten Probleme, noch andere brachten allerhand Kranke zum Kloster (Meerhusen) und hofften, dass Gott durch die Gebet Hatebrands sie heilen würde.
Obwohl der Mann Gottes sah, dass die ganze Bevölkerung ihn rühmte, wolle er die Reise zurück nach Feldwerd antreten, aber die Menschen hielten ihn davon ab, und ließen ihn nicht gehen. Und doch verschwand er heimlich aus dem Land wegen der Eitelkeit seines Ruhms und kehrte zurück zum Kloster Feldwerd, und eine lange Zeit wollte er nicht in den Emsgau und ins Brookmerland gehen, weil die Menschen ihn dort zu Füßen lagen." 

Ein Bild in der St. Andreaskirche in Antwerpen - das heute dort noch zu sehen ist - schildert diese Legende: 

Wie ausgerechnet der Hl. Hatebrand und das Wunder im Brookmerland dorthin kamen, ist eine spannende Geschichte - und die steht im nächsten sagenhaften Ihlow!

Diese lange Wunderlegende muss auch für längere Zeit reichen: 

Seit dem 14. Mai haben wir hier auf der Website Sagen und Legenden über das Kloster Ihlow und sein Umfeld berichtet - jetzt machen wir in der Ferienzeit erstmal eine Pause: 

Allen Freundinnen und Freunden der Klosterstätte
eine schöne Sommerzeit - 
bis zum nächsten "Sagenhaften Ihlow"!