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15.05.20 15:37 Alter: 58 days

Sagenhaftes Ihlow II

 

An diesem Wochenende gibt es wieder eine andere Ihlow-Sage - wie versprochen! :

Dieses Mal geht es nicht um die schlimmen Mönche im Allgemeinen (warum die Mönche oft so schlecht in den Geschichten wegkommen, haben wir am letzten Wochenende beschrieben), sondern es geht hier eher um eine - standesmäßig - verbotene Liebe, aber ein Bösewicht ist auch mit dabei : 

Der Mönch von Ihlow

Mitten im Forst des früheren Klosters Ihlow liegt ein großer, finster-schwarz aufgähnender, unergründlich tiefer Teich, dessen Ränder von hohem Schilf eingefasst sind, und der von himmelanstrebenden düsteren Tannen beschattet wird. Dieser Teich mit seinem nächtlichen Dunkel ist der Schauplatz  folgender schaurigen Sage.
Es begab sich, dass in der Schola Deï ein junger Mönch aus ritterlichem Blute die Hora singen musste, obgleich er es vorgezogen haben würde, jene holde Fürstentochter im dortigen Jagdschloss zu minnen, die ihm schon mehrere Mal an der Forstmühle und im Klostergarten begegnet war, und die ihn ehedem im Pagenkleide am Hofe gesehen hatte. Dem Abt fiel das längere Weilen der Fürstentochter und das längere Ausbleiben des Mönches auf , er legte sich - ein finsterer Mann - auf das Spüren und wusste bald die Ursache. Ließ derowegen dem Bruder harte Buß auferlegen und ihn in die Zelle einsperren. Jene aber wusste trotzdem dem Liebsten Botschaft zukommen zu lassen, wie sie ihn des Abends am Schlossteich erwarte, und dieser fand einen Ausweg in den Busch. Plötzlich stand der eifernde und auch eifersüchtige Abt hinter ihnen und lachte so höhnisch auf, wie der leibhaftige Gottseibeiuns. Er fasste den Mönch, den Entsetzen lähmte, und warf ihn hinab in den Teich, der in der stürmischen, stockfinstern Nacht  wild aufschäumte und phosphorisch leuchtete - während die Tannen ächzten und das Wild heulte.
Am andern Morgen fanden Jägerburschen am Teich den toten Körper der schönen Fürstentochter, der Abt aber war für immer verschwunden. 
Und wenn nun stürmisches Wetter ist, so geht kein Umwohner von Ihlow durch den Forst, denn höhnisch ruft eine Stimme gellend durch die Tannen: "Hab' ich Euch endlich? So will ich dich denn weicher betten, als in dem Schoß der Jungfrau." Und gespenstisch erhebt sich eine weiße Frau am Ufer, händeringend und jammernd, bis ihre Wehklage in leisem Wimmern hinschmilzt.

Diese Sage kennt mehrere Versionen - ein Anzeichen dafür, dass sie gerne weitererzählt wurde.
Interessant ist, wie dieser Stoff zwei verschiedene  Ebenen miteinander vermischt:
Die Zeit des Klosters, und die spätere Epoche des gräflichen/fürstlichen Jagdschlosses. Die historischen Abfolgen waren für die Phantasie nicht so interessant, entscheidend war, dass man sich eine spannende Geschichte erzählen konnte.

Allen Freundinnen und Freunden der Klosterstätte: Ein schönes Wochenende,
und danach eine gute Woche  -
bis zu einer anderen Ihlow- Sage  am nächsten Wochenende !