Im Jahre 1098 verließ der Abt Robert von Molesme (1028-1111) mit 21 Gefährten sein burgundisches Heimatkloster, um in der Einöde von Cîteaux, südlich von Dijon, ein neues Kloster zu gründen. Mit dieser vielleicht folgenreichsten Klostergründung des Hochmittelalters beginnt die Geschichte des Reformordens der Zisterzienser. Robert von Molesme war, wie viele seiner Zeitgenossen, motiviert von der Suche nach dem rechten Weg in der Nachfolge Christi.
Die Entstehung des Zisterzienserordens zum Beginn des 12. Jahrhunderts ist auf dem Hintergrund der gewaltigen gesellschaftlichen, geistigen, kirchlichen und historischen Umbrüche zu sehen, wie sie sich in dieser Zeit abzeichneten. (Als Stichworte seien hier nur die Kreuzzüge oder der Investiturstreit genannt.) Sie führten zu einer "Krise des Mönchtums". Es kam zu einer intellektuellen Diskussion um die richtige Nachfolge Christi, der vita religiosa oder vita envangelica. Sie führte schließlich zu einer Erneuerung des Mönchtums in zahlreichen neuen Orden. Neben den Zisterziensern waren dies beispielsweise die Karthäuser oder Prämonstratenser. In ihrer Wirkmächtigkeit reichten sie aber bei weitem nicht an die der Zisterzienser heran.
Über die vier Tochterklöster von Cîteaux, die Primarabteien La Ferté (gegründet 1113), Pontigny (1114), Morimond (1115) und Clairvaux (gleichfalls 1115), entstanden schon bald in der gesamten lateinischen Christenheit Klöster nach dem Vorbild von Cîteaux. Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts gab es in ganz Europa ca. 530 Zisterzienserabteien mit insgesamt wohl um die 20.000 Mönchen. Nach dieser Blütezeit wuchs die Zahl der Zisterzienserklöster bis zum Ende des Mittelalters auf noch ungefähr 700. Besondere Anziehungskraft übte der neue Orden während seiner geradezu explosionsartigen Ausbreitung besonders auf junge Menschen aus.
Der Orden der Zisterzienser griff auf die Ideale der alten Benediktsregel zurück, der für das abendländische Mönchtum maßgeblichen Regel des "Mönchsvaters" Benedikt von Nursia (ca. 480-560), und versuchte diese in rigoroser Strenge zu verwirklichen [Ein zentraler Gedanke der Benediktsregel: ora et labora, bete und areite]. Zu seiner raschen Ausbreitung trug nicht wenig die überragende Persönlichkeit Bernhards von Clairvaux (1090-1153) bei. Er war eine der zentralen geistigen Gestalten des Mittelalters überhaupt, trotz oder gerade wegen seiner Widersprüchlichkeit.
Im entschiedenen Gegensatz zur religiösen Frauenbewegung des Mittelalters stehend, lehnten die Zisterzienser anfangs die Einrichtung eines weiblichen Ordenszweiges ab. Diese rigorose Haltung wurde aber bereits im 12. Jahrhundert immer wieder durchbrochen. Schon bald wurden vereinzelt zisterziensische Frauenklöster errichtet. Und seit dem 13. Jahrhundert wurden zahlreiche Frauenklöster in den Orden inkorporiert. Zahlenmäßig übertrafen die Frauenklöster bald die Männerklöster. Viele Frauenklöster folgten dazu zisterziensischer Lebensweise, ohne dem Orden selbst anzugehören.
In den Zeiten der Reformation wurden viele Klöster der Zisterzienser zu Schulen und Predigerseminaren umgewandelt, in Niedersachsen auch zu Damenstiften. In der großen Welle der Säkularisation zum Ende des 18. und dem Beginn des 19. Jahrhunderts gelangte ein Großteil schließlich in staatliche oder private Hand. [Ein härteres Schicksal ereilte die Klöster im Bereich des heutigen Ostfrieslands: Alle 30 Ordensniederlassungen sind im Zuge der Reformation zerstört worden.]
Heute gibt es weltweit rund 300 Zisterzienserklöster mit etwa 7.000 Mönchen und Nonnen. In Deutschland haben sich die heute noch nominell existierenden evangelisch geführten Zisterzienserklöster zur Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben zusammengeschlossen. Diese hält ökumenischen Kontakt zum Generalkapitel der katholischen Zisterzienser in Rom.
Auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda erinnern insgesamt zwölf Klöster oder Klosterruinen an die Zeit und die Leistungen der Zisterzienser: Loccum, Mariensee, Rinteln, Amelungsborn, Brenkhausen, Mariengarten, Teistungen, Beuren, Reifenstein, Anrode, Zella und Volkenroda.
Andreas Litzke
Mit freundlicher Genehmigung durch den Pilgerweg Loccum-Volkenroda