Im Jahr 1228 gründet eine Handvoll Mönche im Ihlower Wald die Zisterzienserabtei Schola Dei. Sie gehört bis zu ihrer Auflösung im Zuge der Reformation (1529) zu den bedeutendsten Klöstern im niederländisch-nordwestdeutschen Raum. Die Ihlower Äbte spielen eine wichtige Rolle in Politik, Kultur sowie Religion. Sie fungieren als Friedensrichter und üben die Sielacht aus. Zur Zeit der sogenannten Friesischen Freiheit ist das Ihlow-Kloster Archiv und Kanzlei des Upstalsboom-Bundes - einer Landfriedensvereinigung zwischen Weser und Ijsselmeer.
Im Mittelalter herrschen "schweizer Verhältnisse" zwischen Groningen und Bremen: Adel und Leibeigenschaft gibt es in den Frieslanden nicht. Vielerorts etablieren sich lebendige Gemeinwesen mit genossenschaftlichen, demokratischen Zügen. Diese Sonderstellung wird durch die Friesische Freiheit begründet. Die Rechtsordnung, angeblich von Karl dem Großen verliehen, regelt die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des Upstalsboom-Bundes.
Kanzlei und Archiv der Landfriedensvereinigung freier Gemeinden zwischen Weser und Ijsselmeer ist mit großer Wahrscheinlichkeit das Kloster Ihlow gewesen. Seine Äbte werden in Rechtsstreitigkeiten häufig als letzte Instanz angerufen. Und die gewaltige Kirche der Zisterzienserabtei Schola Dei ist der größte Sakralbau seiner Zeit zwischen Bremen und Groningen. Vermutlich sind in der Schule Gottes im Ihlower Wald das Siegel sowie Urkunden und Dokumente der Friesischen Freiheit verwahrt worden.
Auf die herausgehobene Rolle des Ihlow-Klosters für die mittelalterliche Landfriedensvereinigung im niederländisch-nordwestdeutschen Raum deutet unter anderem die Gestaltung des Bundes-Siegels. Es zeigt Motive und Symbole aus dem Bereich des Mönchstums (siehe links). Im Zentrum steht Maria mit dem Jesus-Kind, Schutzpatronin aller Zisterzienserkirchen und der Frieslande. Darunter sind zwei betende Mönche zu erkennen. Die Kopie eines Abdrucks des All-Friesen-Siegels (Totius Frisiae) ist heute im Historischen Museum in Aurich zu sehen (Durchmesser etwa 40 Zentimeter).
Die Frieslande besitzen im Mittelalter eine reiche Klosterlandschaft. Zwischen Weser und Ijsselmeer lassen sich rund 120 Ordensniederlassungen nachweisen. Allein im Bereich des heutigen Ostfriesland hat es 30 verschiedene Abteien gegeben. Sie spielen bei der Kultivierung des Landes, im politischen Gefüge sowie bei der Christianisierung eine entscheidende Rolle. Im Spätmittelalter enden die Jahre der genossenschaftlich organisierten Gemeinwesen. Und mit der Reformation verschwinden die Klöster. Sie fallen der Machtgier und Zerstörungswut dieser Jahre zum Opfer: Aus der Zisterzienserabtei Ihlow wird ein fürstliches Jagdanwesen. Um ihren Anspruch durchzusetzen, lassen die ostfriesischen Grafen die mächtige Klosterkirche abreißen. Die übrigen Gebäude des Ihlow-Klosters bleiben bis zum 18. Jahrhundert in Gebrauch. Erst als Ostfriesland an Preußen fällt, werden auch die Überbleibsel der einst so bedeutenden Mönchsgründung abgerissen.
Die Friesische Freiheit ist eine Rechtsordnung, die angeblich von Karl dem Großen den Friesen verliehen worden ist. Sie basiert auf genossenschaftlichen Grundsätzen. Über Jahrhunderte, während im übrigen Europa Feudalherren regierten, bestimmten beinahe demokratische Strukturen das Leben der Friesen. Ein wichtiger Bestandteil der Gesetzesammlung ist, dass die Friesen direkt dem Kaiser untertan sind. Die moderne Geschichtsforschung schreibt die "Friesische Freiheit" heute Karl dem Dicken zu, der den Friesen für den Kampf gegen die einfallenden Wikinger diese Sonderstellung einräumen ließ (verliehen im Jahre 885).