Anders als vielen anderen Orden waren den Zisterziensern durch ihre Regel Einnahmen aus Kirchen, Begräbnissen, Zehnten, Dörfern oder Mühlen verboten. Die Mönche sollten ausschließlich von ihrer Handarbeit sowie von Ackerbau und Viehzucht leben. Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb brachten sie ein Wirtschaftswunder zustande, das noch heute erstaunen erregt. Was ihnen an fremden Einnahmen verwehrt war, das schufen sie sich selbst. Auf diese Weise wurden sie zu den führenden Experten auf zahlreichen agrartechnischen Gebieten des mittelalterlichen Europas.
Vorzugsweise entstanden Zisterzienserklöster in wasserreichen Gebieten. Die Mönche kannten daher schon bald fachgemäße Entwässerungstechniken - notwendige Vorraussetzung für große monastische Bauvorhaben - und wussten, andererseits, Wasserläufe effektiv für die Fischzucht zu nutzen. Auch in weiteren landwirtschaftlichen Bereichen, wie den Getreide- oder Obstanbau, wurden sie zu erfolgreichen Experten. Sie wurden zu Trägern von Spezialkenntnissen, die halfen, viele Gebiete, vor allem im Norden und Osten Europas, erst richtig zu erschließen.
Grundlage ihres erfolgreichen Wirtschaftens war der Aufbau einer eigenen landwirtschaftlichen Betriebsstruktur. Die Zisterzienser schufen im Umkreis um ihre Klöster landwirtschaftliche Großbetriebe, die sogenannten Grangien. Grangie, oder grangia leitet sich vom lateinischen Wort "granum" (Korn) ab. Gemeint waren damit also ursprünglich große Kornspeicher, das augenfälligste Merkmal der zisterziensischen Landgüter.
Diese Grangien wurden mit allem nötigen Zubehör im Eigenbau betrieben. Bis heute erhaltene Kornspeicher, sogenannte Zehntscheunen, zeugen noch von dieser landwirtschaftlichen Organisationsform; ja so manche ländliche Siedlungsstruktur der Gegenwart ist sichtbar geprägt durch die Wirtschaftsweise der Zisterzienser.
Da die Mönche aber aufgrund ihrer Regel viele Stunden des Tages mit Gottesdienst und Gebet zu verbringen hatten, blieb ihnen selbst wenig Zeit für die nötige Arbeit oder Führung des Klosters als Wirtschaftsbetrieb. Sie kamen ohne Hilfskräfte nicht aus. Die benötigte große Zahl der klösterlichen Arbeiter kam aus der bäuerlichen Bevölkerung. Als sogenannte Konversen mussten diese wie die Mönche ein Gelöbnis ablegen (lat. conversio = Gelöbnis, Bekehrung), das sie ans Kloster band und ihnen lebenslange Sicherheit und Versorgung bot. Sie erhielten zwar keine höheren Weihen und mussten nur in begrenzter Askese leben, wurden aber dennoch zur klösterlichen Gemeinschaft hinzugezählt. Jedoch war ihnen ein Aufstieg ins Vollmönchtum grundsätzlich verwehrt, weshalb sie in der Klosterkirche auch keinen Platz im Chorraum hatten und ihnen der Zugang zum Klausurtrakt der Mönche verwehrt war. Die Konversen waren also eine Art "Arbeitsmönche", auch "Laienmönche" genannt, niederen Ranges. Ihr klösterlicher Lebensbereich waren die Werkstätten oder die Felder und Fischteiche. Als unter dem Schutz der Kirche stehende Mitarbeiter eines meist erfolgreichen landwirtschaftlichen Großbetriebes dürften sie gleichwohl materiell meist besser abgesichert gewesen sein, als der Großteil der übrigen ländlichen Bevölkerung, die im Mittelalter 2/3 bis 9/10 der gesamten Bevölkerung umfasste. Dennoch kam es immer wieder zu Spannungen zwischen Konversen und den eigentlichen Mönchen.
Andreas Litzke
Mit freundlicher Genehmigung durch den Pilgerweg Loccum-Volkenroda