Die Existenz der Klosteranlage ist durch Schriften und Ausgrabungen belegt. Dagegen gibt es keine Überlieferungen oder sonstigen Hinweise auf die Existenz eines Klostergartens. Da es sich hier um ein Zisterzienserkloster handelt, ist die Existenz eines Klostergartens allerdings sehr wahrscheinlich. Das Motto ora et labora schloss die Selbstversorgung und damit die Gartenarbeit ein. Der Klostergarten diente als Nahrungslieferant für die Klosterküche und für den Anbau von Heilkräutern für die Klosterapotheke.
Der jetzige Klostergarten hier an der Klosterstätte wurde Mitte der 80er Jahre angelegt. Allerdings geriet er bald wieder in Vergessenheit. Die Buchsbaumbeeteinfassungen unterstreichen Gliederung. Die kreuzförmige Anlage und geometrische Aufteilung der Flächen mit der Betonung der Mitte gründet auf die Kreuzgänge der Klöster. Auch Bauerngärten und Ziergärten haben diese Grundformen häufig übernommen. In der Mitte steht ein kleines Apfelbäumchen, eine graue französische Renette. Die Zisterzienser haben die Apfelsorte aus ihrer 1. Tochterabtei Morimont mit ihren Klostergründungen über ganz Europa verbreitet.
2001 haben Mitglieder des Fördervereins und Kolleginnen der Hermann-Tempel-Gesamtschule sich zusammengetan, um den Klostergarten wieder zum Blühen zu bringen. Zwölf Frauen gehören dazu, treffen sich regelmäßig. "Er ist längst nicht fertig, aber von Jahr zu Jahr ergänzen wir die Bepflanzung und erweiternauch unser eigenes Wissen über die Kräuter, ihre besonderen Ansprüche, ihre Heilkraft oder ihre Verwendung als Gemüse oder Würzkraut", so Christa von Aswege, Ansprechpartnerin in der Klostergarten-Gruppe. "Wir freuen uns, wenn neue Mitglieder zu unserer Runde hinzu stoßen. Herzlich willkommen."
Pflanzen, die im Mittelalter mehr oder weniger erfolgreich als Arznei genutzt wurden. Die Abtissin Hildegard von Bingen war eine der großen Heilkundigen ihrer Zeit. Sie beschrieb 213 Kräuter, Gräser und Früchte mit ihren Nährwerten und Heilkräften. Hildegard von Bingen verband die Heilkraft der Kräuter immer sehr eng mit dem christlichen Glauben und der Allmacht Gottes. Doch viele dieser Pflanzen spielen in der modernen Medizin auch heute eine Rolle.
Der Hexengarten beherbergt Pflanzen, die in Teilen oder Ganzen giftig sind ( Fingerhut, Seidelbast). Oder ihnen wird mystische Kraft zugeschrieben. Einige besitzen halluzinogene Wirkung, die ihren Anwendern Zauberkräfte vorgaukelten ( Bilsenkraut). Die meisten wurden jedoch von heilkundigen Frauen insbesondere bei Frauenleiden eingesetzt. Häufig waren es Hebammen, die dann leicht als Hexen verschrien und der Zauberei beschuldigt wurden.
In der damals von Männern dominierten Welt war die Fachkenntnis der Frauen suspekt und unerwünscht.
Im Mariengarten sind Pflanzen zu sehen, die im Mittelalter mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht wurden. Die Jungfrau Maria war die Schutzpatronin der Zisterzienser. Viele dieser Pflanzen sind der Jungfrau Maria geweiht und haben früher in Gottesdiensten der Marienverehrung gedient. Andere Pflanzen symbolisierten in der Bildersprache der darstellenden Kunst des Mittelalters die Eigenschaften der Gottesmutter Maria (z.B. Veilchen stehen für Demut, die weiße Lilie symbolisiert die Reinheit, usw). Wieder andere Pflanzen tragen Maria im Namen, wie z. B. das Marienblümchen (Gänseblümchen).
Die Pflanzenauswahl im Küchengarten richtet sich nach einer von Karl dem Großen (747 - 814) verfassten Gesetzgebung für seine Untertanen ("Capitullare de Villis"), die im Jahre 812 n. Chr. entstanden ist. In dieser Verfassung werden 73 Nutzpflanzen und 16 Obstbäume genannt und zur Anpflanzung empfiehlt. Weitere Schwerpunkte im Küchengarten sind Färbepflanzen und historische Kulturpflanzen aus dem 19. Jahrhundert, wie Bohnen, Salat, Erbsen, Kartoffel, Möhren. Aus dem Mittelalter kann in diesem Gartenabschnitt z.B. Löffelkraut, Guter Heinrich, Schinkenwurz, Haferwurz, Erdbeerspinat bewundert werden.