Bei den Grabungsarbeiten im Bereich des WestflügeIs traten im letzten Jahr zahlreiche Funde auf. Unter dem Fundmaterial aus dem Abrissschutt des Gebäudes befand sich unter zahlreichen Knochen und Keramikscherben ein Eisenobjekt, dem wir zunächst keine große Beachtung schenkten. Es handelt sich um ein Fundstück, dass im Rahmen des Abrisses des Gebäudes in der Mitte des 18. Jahrhunderts in den Boden gelangte.
Es ist eine eiserne Rinne, ein halbes Rohr von etwa zwölf Zentimetern Länge. Erst bei näherer Betrachtung fiel auf, dass auf der gewölbten Seite des Eisenstücks eine Darstellung angebracht ist. Das Eisen ist das Endstück eines Wasserspeiers, also einer halbrunden Rinne. Solche Wasserspeier waren an der Dachtraufe angebracht und ragten im rechten Winkel über die Traufe hinaus. Sie sollten das Regenwasser ein Stück weit von der Wand entfernt abfließen lassen. Auf unserem Wasserspeier ist ein so genannter Putto zu sehen, ein kleines, wohlgenährtes Engelskind. Deutlich
treten die dicken Wangen hervor, die halbkugelig ausgeprägten Locken sind deutlich schwächer zu erkennen. Die Flügelspitzen sind nur noch im Ansatz vorhanden. Der rechte Arm ist angewinkelt, in der Hand hält das Engelchen eine Blume. Unterhalb des Bauches ist das Stück abgebrochen. Auch wenn die Darstellung eines Engels zunächst an die Klosterzeit denken lässt, datiert unser Fundstück deutlich später. Es ist formal eine typische Barockdarstellung und gehört etwa in die Regierungszeit des Grafen Enno III., in das frühe 17. Jahrhundert.
Was das Fundstück auch heute noch ansprechend macht, ist das dahinter stehende Sinnbild. Der Wasserspeier leitet Regen ab. Der Engel steht für den Himmel, für Gott also. Die Blume symbolisiert das Aufblühen der Natur. Diese Darstellung bedeutet also: Gott lässt es regnen, um die Natur aufblühen zu lassen.
Bernhard Thiemann
Mit freundlicher Genehmigung des Autors. Bernhard Thiemann ist von 2006 bis 2008 Grabungsleiter an der Klosterstätte Ihlow gewesen.